Ellen Johnson-Sirleaf

Ellen Johnson-Sirleaf ist seit 16. Januar 2006 Präsidentin von Liberia. Sie ist die erste Frau, die durch eine Wahl das Amt eines Staatsoberhauptes in Afrika erlangte.

Ihren für ein Studium qualifizierenden Schulabschluss machte Johnson-Sirleaf bereits 1955. Sie ist verwitwet, hat vier Söhne und sechs Enkelkinder.

Im Gegensatz zu den meisten Angehörigen der liberianischen Oberschicht hat sie keine afroamerikanischen Vorfahren. Ihr Vater gehörte dem Volk der Gola an. Ihr Großvater mütterlicherseits stammte aus Deutschland. „Der Vater meiner Mutter war ein deutscher Händler in Greenville in der Provinz Sinoe. Er hat dort eine Marktfrau vom Lande geheiratet, meine Großmutter“, sagte sie im Januar 2006 in einem Interview mit der britischen BBC. Ihr Großvater musste das Land verlassen, als Liberia im Ersten Weltkrieg dem Deutschen Reich den Krieg erklärte. Ihre Großmutter mütterlicherseits entstammte dem Volk der Kru.

Johnson-Sirleaf ist aktives Mitglied der Evangelisch-methodistischen Kirche. Zusammen mit George W. Bush wurde sie eingeladen, vor der Generalkonferenz 2008 der United Methodist Church als methodistisches Staatsoberhaupt eine Ansprache zu halten. 2009 erschien ihre Autobiographie Mein Leben für Liberia. Die erste Präsidentin Afrikas erzählt.

Johnson-Sirleaf studierte ab 1961 in den USA, wo sie einen Abschluss in Rechnungswesen an der University of Wisconsin-Madison und einen Abschluss in Wirtschaftswissenschaften an der University of Colorado at Boulder erhielt. Von 1969 bis 1971 studierte sie Wirtschaftswissenschaften und Öffentliche Verwaltung an der Harvard University. Dieses Studium schloss sie als Master of Public Administration ab.

Von 1972 bis 1973 war sie Finanzministerin (Secretary of State for Finance) unter Präsident William Tolbert. Nach dessen Sturz und Ermordung im Jahr 1980 ging sie ins Exil nach Kenia, wo sie von 1982 bis 1985 als Vizepräsidentin der Citibank für Afrika tätig war.

1985 bewarb sie sich um einen Sitz im Senat. Ihre Ablehnung des seit 1980 bestehenden Regimes von Samuel Doe führte zu ihrer Inhaftierung und Verurteilung zu zehn Jahren Gefängnis. Nach kurzer Zeit wurde sie wieder freigelassen und ging wiederum ins Exil. In den Jahren 1986 bis 1992 war sie Vizepräsidentin der Equator Bank in Washington (D.C.), danach bis 1997 Leiterin des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen für Afrika. Daneben war sie für die Weltbank sowie eine Reihe weiterer Institutionen tätig und schrieb mehrere Bücher über afrikanische Wirtschaftspolitik.

Während des liberianischen Bürgerkriegs unterstützte sie zunächst Charles Taylor gegen Doe, sprach sich aber später gegen ihn aus. Bei den Präsidentschaftswahlen von 1997 kandidierte sie erfolglos gegen Taylor. Sie erreichte 9,58% der Stimmen, während Taylor die Wahl mit 75,33% der Stimmen gewann. 1999 gehörte sie zu den sieben Persönlichkeiten, die von der Organisation für Afrikanische Einheit mit der Untersuchung des Völkermords in Ruanda beauftragt wurde.

Nach Taylors erzwungenem Rücktritt im Oktober 2003 kehrte sie nach Liberia zurück und unterstützte die Übergangsregierung von Gyude Bryant. Bei der Präsidentschaftswahl 2005 war sie die Kandidatin der United Party, deren Führung sie übernommen hatte. Auch mit der Unterstützung von Exil-Liberianern (beispielsweise dem Journalisten Joseph Bartuah) erreichte sie im ersten Wahlgang am 11. Oktober 2005 mit 175.520 Stimmen bzw. 19,8 % den zweiten Platz nach dem ehemaligen Fußballer George Weah, der 28,3% der Stimmen erreichte. Am 8. November 2005 gewann Johnson-Sirleaf mit 57,9 % der Stimmen die Stichwahl gegen Weah, der Unregelmäßigkeiten bei der Auszählung beklagte. Ihr Sieg wurde am 23. November 2005 trotz der anhängigen Beschwerde durch die Wahlkommission bestätigt.

Ellen Johnson-Sirleaf wurde am 16. Januar 2006 als Nachfolgerin von Gyude Bryant in ihr Amt eingeführt.

Bei der Wahl im November 2011 wurde Sirleaf mit 90,2 % der Stimmen zur Präsidentin von Liberia wiedergewählt.

Ellen Johnson-Sirleaf erhielt im Jahr 2011 den Friedensnobelpreis.